stadtarchitektur ist manchmal sehr grausam, zumeist aber langweilig. selten aber passiert das, was benedikt so trefflich als “still herbeigesehnt” umschreibt: an einem der häßlichsten häuser wien, ecke hörlgasse/wasagasse im wiener alsergrund, hat einE gönnerIn, oder auch mehrere, mir eine große freude bereitet, die sich täglich am weg zur arbeit wiederholt, indem sie/er einen süßen elefanten angebracht hat. wer auch immer hinter “hai” steckt, ich lade euch zum essen ein.
danke hai.
queru lantes
ob es die leichtigkeit ist, im netz avatare zu bilden, größere personengruppen ohne aufwand zu informieren oder eine eindeutige alterserscheinung: ich werde zusehends zum email-querulanten. folgend zwei beispiele mit unterschiedlichen erfolg: die brauerei ottakringer schaltete im fernsehen in vorbereitung der fußball-em in wien eine kampagne, die zwei etwas vertrottelte fußballfans als proponenten des biertrinkenden österreichers präsentierte. so weit so gut. bei einem der sujets ging allerdings den proseccoaffinen werbefuzzis die fantasie durch und sie bemühten miesesten sexismus verknüpft mit gewaltverherrlichender verniedlichung um ihre “trinkt ottakringer”-botschaft rüberzubringen.
ich setzte mich spätabends vor meinen pc, schlüpfte in die rolle eines achtköpfigen biertrinkenden fuballfankollektivs und schrieb an ottakringer:
sehr geehrte damen und herren!
der fußbalstammtisch, dem ich angehöre ist entsetzt über die letzte fernsehwerbung ihrer firma. der sexistische grundton wird noch mit einer anspielung auf häusliche gewalt verstärkt. “unsere frauen haben das falsche bier eingekauft, das hat ein nachspiel gegeben”. nicht alle männer sind dumpfe patriarchen. wir, das sind 8 fußballfans haben beschlossen ottakringer zu boykottieren und dies über alle unsere mailinglisten zu verbreiten. ausserdem werden wir leserbriefe in zeitungen zu schreiben.
ich ersuche sie, uns mitzuteilen wie es zu derartigen dumpfheiten kommen kann, und wie sie dazu stehen.
hochachtungsvoll
karl lanz
wsc9-stammtisch
Bereits am nächsten morgen, so gegen neun, erhielt ich eine erstaunliche antwort der marketingleiterin von ottakringer:
Sehr geehrter Herr Lanz,
Sehr geehrter wsc9-Stammtisch!
Als verantwortliche Marketingleiterin darf ich Sie darüber informieren,
dass ich heute den Austausch des Werbespots veranlasst habe.
ORF tauscht noch heute gegen unser Sommersujet.
Die Privatsender laufen leider noch bis Ende der Woche.
Es tut mir sehr leid, dass wir Ihre Emotionen verletzt haben, aber die derzeitige
negativ Berichterstattung (causa Amstetten), die natürlich auch uns erschüttert hat,
war leider zum Zeitpunkt der Kampagnengestaltung nicht vorherzusehen.
Der Spotinhalt sollte niemals auch nur annähernd zur Gewaltanwendung anregen.
Natürlich versteht man das in Zusammenhang mit den derzeitigen Medienberichten
genau falsch. Das war weder meine noch unsere Absicht.
Mit den besten Grüßen,
Prok. Claudia Maschke
Marketingleitung, Stellvertreter des Vorstandes
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der tag war für die gute frau sicher nicht einfach und es war mir klar, dass ich offensichtlich einer von hunderten war, der gegen dieses sujet einwände erhob. erstaunlich allerdings die offenheit der marketingleiterin. sie glaubt, “unsere gefühle verletzt zu haben”, als wären wir religiöse fanatiker und, noch kurioser, sie glaubt einen falschen zeitpunkt zu erkennen, da kurz zuvor der fall fritzl in amstetten für öffentlichkeit gesorgt hat. kurzum, sie fühlt sich als opfer der verhältnisse, die einfach vom pech verfolgt war. ich schob ein scheit nach, um die flamme zu nähren:
sehr geehrte frau maschke!
danke für ihre rasche antwort und ihre reaktion. offensichtlich waren wir nicht die einzigen, die sich an dem spot gestoßen haben. es ist aber nicht so, dass sie unsere “emotionen verletzt haben” und dass der zeitpunkt ungünstig wäre (amstetten), sondern eine politische haltung, die auch durch marketing auf das produkt abfärbt.
ich arbeite selbst im medienbereich und so weit ich das verfolgt habe hat ottakringer sich durchaus als witziges, lebensfrohes, innovatives produkt gesetzt. welche agentur ihnen jetzt eingeredet hat, dass dieses dumpfe sujet werben könnte, erscheint mir schleierhaft. es muß das produkt spätpubertierender männer sein, dass von ihnen, warum auch immer, genehmigt wurde. warum haben sie nicht etwa 2 frauen beim biertrinken auf einer terrasse gezeigt, mit einem text wie “wir habens gut, die in der fanmeile schwitzen und haben keine chance auf ein ottakringer”, anyway!
was schlagen sie als versöhnungsangebot vor?
schönes wochenende
karl lanz
ich wollte nochmal auf den politischen charakter verweisen und machte eine hintertür für bestechungen aller art auf. ein freund von mir erzählte mir, dass er mein mail gelesen hat und für die eröffnung der bikekitchen nicht wie vorgesehen 20 kisten ottakringer, sondern biere einer anderen marke einkaufte. zumindest ein mikroschaden ist der brauerei erwachsen.
frau maschke hatte ihre fassung wiedererlangt und handelte so, wie es kommen mußte:
s.g. herr lanz,
mein Versöhnungsangebot: würden Sie sich mit unserem “inoffiziellen Fanbier”
als Gratisware anfreunden können? :-))
lg. c. maschke
schon sehr vertraulich, und trotzdem sehr professionell. ich dachte, ich zier mich noch ein bischen und nehm dann an.
sehr geehrte frau maschke
falls sie mir versprechen, dass, solange sie marketingleiterin sind, sexistische werbung und gewaltkonnotationen nicht mehr vorkommen, nehme ich ihr versöhnungsverbot gerne an.
lg
k. lanz
mir war klar, dass dieses versprechen nicht mehr kam, dass sie unsere biertrinkenden seelen versöhnt sah und eine ihrer sekretärinnen mit der abwicklung der lieferung beauftragte. allein die menge hat mich dann nochmals in staunen versetzt. insgesamt 112 0,5 l-flaschen und dosen und allerlei merchandise-kram wurde angeliefert. dem boten seis gedankt. die standard.at verfasste noch eine kleine geschichte dazu, alles in allem eine sehr runde geschichte mit wenig aufwand.
weniger erfolg hatte ich mit der beschwerde beim magistratischen bezirksamt hernals wegen der demontage eines fahrradständers in der weissgasse. freundliche geister hatten dort, wo längst ein fahrradparkplatz von nöten war, einen montiert und halfen damit ohnehin knappen bezirksbudget zu sparen. wie nicht anders zu erwarten war der platz auch stark frequentiert. eines tages wurde er allerdings wieder entfernt und ich dachte mir, eine eingabe bei der zuständigen bezirksvertretung könne aufklärung bringen:
checkpoint linz
heide und ich habe zur subversivmesse in linz im mai 09 folgendes projekt eingereicht:
checkpoint linz
Wenn in Linz nur die Donau fließt, wird dann unter dem Pflaster schon der Strand sichtbar? Vor der Folie von checkpoint austria (Dez. 2000) wird eine Wiederaufnahme der beliebten medialen Auseinandersetzung um den Diskurs von Freiheit und seine Reduktion auf die Teilhabe am Verkehrsaufkommen erprobt. Die topographische Anordnung der Stadt erlaubt einer kleinen Anzahl von AktivistInnen bedeutsame diskursive und räumliche Effekte zu erwirken. Eine Teilhabe am Projekt ist spontan möglich. neigungsgruppe donauschwimmen (AT), eingereicht am 25.07.2008
Ausgehend von der Dokumentation der Text- und Bildrezeption von checkpoint austria liegt der Fokus unserer Intervention auf einer Störung des Fließerlebnisses von automotorisierten VerkehrsteilnehmerInnen. Im Rahmen einer medialen Auseinandersetzung wird ein taktisches Spiel um politische Interventionen im öffentlichen Raum geboten. Darin wird ein Erproben von Aktionsformen möglich, die inhaltliche Variabilität erlaubt den wiederholten Vorwurf der Beliebigkeit. Eine Kompilation von Materialien vom 6. Dezember 2000 (bisher unveröffentlichte interne Protokolle der Vorbereitungsgruppe, Tageszeitungsartikel, wissenschaftliche und künstlerische Interpretationen, Merchandisingartikel u.ä.) bilden das Inventar der Koje und bieten eine assoziative Verbindung zum gegenwärtigen Projekt. Der Messestand wird zum diskursiven Raum taktischer Auseinandersetzungen, inhaltliche Forderungen werden weitgehend ignoriert.
Die zentrale Auseinandersetzung passiert vor Ort: Intervention „checkpoint linz“. Die breit lancierte Ankündigung einer Irritation des Gewohnten – konkret des motorisierten Individualverkehrs und seiner Freiheitsversprechen – verändert die Position politischer AkteurInnen, sie mutieren zu medial kompetenten SprecherInnen. Eine Vielzahl an konkreten Handlungsoptionen resultiert aus einem Beziehungsgefüge, das die Gewohnheiten behördlicher, politischen und medialen Aufmerksamkeitsformen nützt und in seiner Zielorientierung lediglich das Gelingen der Störung impliziert.
Zeitplan:
Im Jänner wird eine Losung gewählt, ein Piktogramm präsentiert (eine hochgezogene Zugbrücke mit abstürzendem Auto) und eine Homepage eingerichtet. Anfang April werden die Blockaden der Donaubrücken in Linz polizeilich angemeldet, um eine Ausgangspunkt zu markieren. Die folgenden Behördenreaktionen werden umgehend medial kommuniziert, Aktionstag ist der Schlussabend der Subversivmesse.
tages anzeiger.
“Tages-Anzeiger” (Zürich, Schweiz): “Im erzkatholischen Niederösterreich sind Worte wie Zivilgesellschaft und Eigenverantwortung noch immer fremd. Lehrer, Priester, Bürgermeister sind unangefochtene Autoritäten, der Landeshauptmann regiert wie ein feudaler Fürst. In einer solchen Gesellschaft fragt man nicht nach. Wenn die Obrigkeit nicht eingreift, wird alles schon seine Ordnung haben. Ein Ingenieur ist hier noch eine Respektsperson. Zwei Enkelkinder (und vermutliche Kinder) von F. gingen in Amstetten zur Schule. In welchen Verhältnissen sie genau aufwuchsen, wollten die Lehrer nicht wissen. Es waren halt ruhige Kinder. Da fragt man nicht nach. In Niederösterreich wird Autorität noch groß geschrieben, hinterfragen klein.”
der bundesalfred sieht das nicht so, wenn er den 1. mai dazu nützt, sein volk zu beruhigen, die autoritätsverhältnisse ausdrücklich in schutz nimmt: “wir lassen nicht zu, dass ganz österreich, dass unsere gesamte bevölkerung von einem kriminiellen, grausamen einzeltäter in geiselhaft genommen wird.”
es ist 2. mai 11 Uhr 20, und ich hab den selben gusischen wortlaut bereits in 6 verschiedenen zeitungen gelesen, keine einzige hatte auch nur einen deut auszusetzen.
zu politisch.
das possenhafte der autorität könnte einEn schon ab und an zur verzweiflung treiben, wenn man/frau an die gerechtigkeit glauben würde oder seine eigenen aktivitäten zu wichtig nimmt.
zum bereits vierten mal legt die go dogma eine mit hundert stück limitierte “erste- mai-marke” auf. bereits 2006 mußte das sujet wesentlich verstümmelt werden, um den strengen augen der kommission der abteilung meinemarke.at in der postverwaltung zu gefallen. nicht nur hammer und sichel sondern auch sternspritzer und sonstige extremitäten mußten entfernt werden, um den nirgens festgelegten kriterien für personalisierte briefmarken zu genügen.
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heuer wollten wir ein wohlfühlsujet, ein in himmelblau gezeichnetes portrait von fidel castro, auflegen. zu unserer überraschung wurde dieses ansinnen abgelehnt.
die zuständige sachbearbeiterin begründete dies so:
Sehr geehrter Herr Wendt!
Ausgeschlossen aus der Produktion sind Biltmotive, die sittenwidrig sind und/oder gegen geltendes Recht verstoßen.
Mit freundlichen Grüßen
Herma Heiss
Österreichische Post AG
Abteilung Philatelie/ZK
Postgasse 8
1011 Wien
Tel.:+43(0)577 67 22866
Fax:+43(0)577 67 21626
da wir wohl der irrigen ansicht waren, dass unser entwurf weder sittenwidrig wäre, noch gegen geltendes recht verstossen würden, fragten wir nochmals nach:
Sehr geehrte damen und herren!
wir haben schon öfter was bei ihnen bestellt und noch nie probleme gekriegt. können sie uns bitte mitteilen, warum die marke von der zeichnung nicht gedruckt werden darf?
und können sie uns vielleicht insgesamt die kriterien nennen, damit wir nicht öfter probleme kriegen.
liebe grüße
kurt wendt
go dogma
die antwort ließ nicht lange auf sich warten:
Sehr geehrter Herr Wendt!
Diese Marke war uns zu politisch.
Mit freundlichen Grüßen
Herma Heiss
Österreichische Post AG
Abteilung Philatelie/ZK
Postgasse 8
1011 Wien
Tel.:+43(0)577 67 22866
Fax:+43(0)577 67 21626
E-Mail:herma.heiss@post.at
schmecks. würden wir jetzt kleinlich sein, könnten wir uns an der formulierung stossen. wer ist dieses “wir”, dem die marke “zu politisch” war?
um unsere reihe nicht abreissen lassen zu müssen, griffen wir zu einem harmlosen sujet. schwarze marke mit verschwindend kleinem aufdruck in rot “1. mai 2008″. die strenge kommission ließ noch einmal gnade walten und druckte es, und ihr könnt dieses zeithistorische dokument um 3 euro kaufen.
schönen 1. mai wünsch ich!
p.s.: als eine nichtpolitische marke ist die der christlichen postgewerkschaft zu sehen, die am 12.März in auftrag gegeben wurde. die antwort ist auf der marke selbst zu lesen, “denn das C macht den unterschied!”
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schaden ersatz.
das leben beschert einem so manches malheur. in einer gesellschaft, in der sich mit angst vortrefflich geschäfte machen lässt, zahlt fast jedEr schutzgelder an vertrauensvoll werbende versicherungskonzerne. neben den gesetzlich vorgeschriebenen sozial-, pensions-, und arbeitslosenversicherungen zahle ich seit über zehn jahren schutzgeld an die wiener städtische versicherung in form einer haushalts- und rechtsschutzversicherung.
unlängst setzte ich mich irrtümlich auf den sehbehelf meiner freundin und schilderte das malheur meinem mir zugewiesenen versicherungsvertreter. dieser wahrhaft überaus freundliche und sympatische mann nahm den schaden auf, prüfte sorgfältig, war sogar mit einer gescannten rechnung über sechsundneunzig euro zufrieden - alles schien seinen lauf zu gehen.
die schadensabteilung prüfte noch genauer und der freundliche mann sah sich genötigt mir folgendes email zu schicken:
ich habe heute Montag eine Mitteilung unserer Schadensabteilung bekommen.
Die geht von einem 50%-igen Mitverschulden von Frau H. aus, weil sie ihre Brille auf einer Sitzgelegenheit abgelegt hätte. Können Sie mich deswegen bitte nochmals kurz anrufen:
ich ignorierte seinen wunsch, auch wenn ich das gefühl hatte, ihn eventuell trösten zu müssen und schickte ihm stattdessen folgendes antwortmail:
Sehr geehrter Herr F.!
Der Hocker auf den ich mich irrtümlich gesetzt habe wird von Frau H. nicht als Sitzgelegenheit genutzt, sondern als Ablage. Es war mir sehr peinlich, den Schaden verursacht zu haben und ich finde ihren administrativen Aufwand für einen 96 Euro-Schaden äußerst peinlich. Ich werde den Schaden lieber selbst begleichen, als Frau H. zu erklären, sie wäre mitschuldig an meinem Mißgeschick!
Ich habe in über 10 Jahren 2 ganz kleine Schadensfälle gehabt und muß mich jetzt um einen kleinen Schaden kümmern, als wäre das Haus abgebrannt.
Sollten sie die Angelegenheit nicht ohne weitere Aufwände meinerseits erledigen können muß ich meine Zusammenarbeit mit der Städtischen in Frage stellen.
ich war gespannt, ein schönes spiel. die antwort liess keine zwei stunden auf sich warten.
Sehr geehrter Herr Wendt,
Frau H. hat den Rechnungsbetrag für die Brillenreparatur in voller Höhe überwiesen bekommen. Ich bitte Sie um Entschuldigung für die aufgetretenen Hindernisse. Sie haben Ihren Teil zur Schadensabwicklung sehr korrekt beigetragen und haben zu Recht eine einfache Erledigung erwartet.
Bitte tragen sie uns nichts nach und genießen Sie Ihren Urlaub in der Ramsau!
und wieder wollte ich den mann trösten, ich hielt mich aber zurück, schliesslich trägt er doch nur zur erfolgreichen firmengeschichte bei. und die achtundvierzig euro, die sie mir offensichtlich kulant draufschlagen, um mich nicht als kunden zu verlieren, haben sie bereits erfolgreich tausenden anderen in der slovakei aus der tasche gezogen.
wer glaubt, die beste versicherung wäre, aktien einer erfolgreichen versicherung zu kaufen, sollte auch vorsichtig sein. börseninsider formulieren die momentane lage wie folgt:
Charttechnischer Ausblick: Die Aktie von WIENER STÄDTISCHE hat sich zuletzt innerhalb einer breiten Seitwärtszone bewegt. Der Ausbruch aus dieser Seitwärtszone wurde nun sehr deutlich bestätigt. Das Kursziel liegt derzeit beim sichtbaren Tiefkurs von 44,05 Euro. Ein Widerstand wartet hingegen bei 51,33 Euro. Hier käme es zu einem Gapfill des erst kürzlich entstandenen Down-Gaps.
ich werde meine haushaltsversicherung wohl behalten, um die höchstwahrscheinliche überschwemmung in der wohnung unter uns bezahlen zu können, weil jederzeit der waschmaschinenschlauch platzen könnte. und die rechtsschutzversicherung behalte ich, um gegebenfalls die haushaltsversicherung zu verklagen, falls sie den wasserschaden nicht bezahlen will. aber sonst, ich schwörs!, gehe ich unversichert durchs leben!
um armt.
meine berufliche beschäftigung bringt es zuweilen mit sich, dass ich informationen erhalte, die man/frau sonst beflissentlich überliest, und dies, zum allergrößten teil zurecht. meine lesegewohnheiten nähern sich dem eines scanners an, gestoppt nur durch beruflich vorgegebene keywords oder sporadischer neugier oder schwärmerei. oft ist es nur eine verunglückte schlagzeile (”die leere nimmt ständig zu”; zur situation der verkaufsläden im ortszentrum von horn im waldviertel), die mein herz erwärmt, manchmal ist die kuriosität einer an sich tragischen amtlichen erklärung kaum zu überbieten (so versucht eine frau aus voitsberg ihren mann, karl marx, für tot erklären zu lassen, der, so vermutet man, voriges jahr beim tauchen ertrunken ist - dazu mehr in einigen tagen) und gelegentlich ist die bildhafte vorstellung einer leserInnenbriefschreiberIn vor, bei und nach ihrer tat ein zwiespältiger genuss.
so etwa der brief von herrn sowieso in der wienerzeitung vom 27. feber: der gute mann beschreibt, dass er auf einem u-bahn-bahnsteig von einem osteuropäisch wirkenden mann völlig grundlos umarmt wird. die tatsache, dass ihm nichts geklaut wurde führt er auf seinen dichtgeschlossenen wintermantel zurück und den lesy schreibt er, um alle anderen schon jetzt zu warnen, sich vor allem im sommer, wenn der gepanzerte mantel keinen ausreichenden schutz mehr verspricht, nicht öffentlich umarmen zu lassen. ganz sicher ist sich der mann, dass es keine anderen gründe gibt, ihn zu umarmen, schon gar nicht für einen osteuropäischen mann, ihn den lustfeindlichen homophoben rassisten. noch wähnt er sich nicht allein, warnt alle gleichgesinnten via wiener zeitung vor dem osteuropäisch anmutenden umarmungstrick und die wiener zeitung bietet ihm eine plattform.
politischer kopf der bande ist übrigens der australier juan mann, der mit seiner “free hugs-campagne” hinterhältiges umarmen salonfähig machte.
weder noch.
in manchen situationen wünscht man sich die formale logik als kampfgefährtin, die immer dann zuschlägt, wenn sie am heftigsten ignoriert wird. dies kann harmlos und entzückend sein, wenn zum beispiel die österreichische polyamory-gruppe schreibt, polygamie und monogamie stünden sich nicht im weg und schliessen sich nicht aus.
ganz heftig zugeschlagen hätte die kampfgefährtin ohne respekt vor dem hohen amt bei bundeskanzler gusenbauer, der wörtlich “ich schliesse einen untersuchungsausschuss weder aus noch ein”. sollte er annehmen, dies wäre feiner humor, um seinen grenzenlosen opportunismus überdecken zu können, würde sie, die logik, wahrscheinlich ein zweites mal zuschlagen.
dass mit sozialdemokratInnen aber längst nicht mehr zu spassen ist, bewies ögb-tirol-chef franz reiter in der heutigen tiroler tageszeitung. er sei als schifahrer gewohnt, durch rote und blaue flaggen zu fahren, und wörtlich zu den tiroler landtagswahlen befragt: “Mir ist jede koalition für die SPÖ recht”.
gusenbauer, reiter, gschwendtner
hundert eier.
geht es nach der spö, sollen die ärmsten der gesellschaft einhundert euro erhalten, als ausgleich für die steigende inflation. sozialminister buchinger und finanzstaatssekretär matznetter präsentierten auf einer pressekonferenz zwei volle billa-einkaufswagerl, um den wert ihres vorschlags zu visualisieren.
am liebsten würden sie wohl selbst, wie wailand haider, die wägen an glückliche und dankbare arme übergeben, ein höhepunkt wohlwollendem paternalismus, mit dem die herrschenden verhältnisse verschleiert und die quasi-monarchischen bedürfnisse der sozialdemokratInnen befriedigt würden. dass diese haltung nicht bloß populismus ist, sondern tiefstes sozialdemokratisches selbstverständnis repräsentiert, mußte ich letzte woche selbst erleben. ich wollte mein verblasstes englisch-maturaniveau mit einem konversationskurs in der volkshochschule brigittenau auffrischen und dafür den allseits beworbenen 100 euro-bildungsgutschein der arbeiterkammer einlösen. dies sei nicht möglich, wurde mir mitgeteilt, und selbstverständlich gebe es auch keine ausnahmeregelungen und keine umgehungsmöglichkeiten. Im email der pädagogischen assistentin der VHS-Brigittenau liest sich das so:
Über die Bestimmungen der AK dürfen wir uns nicht hinwegsetzen. Wir dürfen leider auch nicht auf Ihren Vorschlag, dass Sie einen anderen Kurs mit Gutschein buchen, den Englisch C1 Konversationskurs aber besuchen, eingehen. Durch das Reglement der AK ist uns eine derartige Vorgangsweise ausdrücklich untersagt. (Wir sind nicht auch befugt, Ausnahmeregelungen zu treffen).
Ich rief einen bekannten bei der arbeiterkammer wien an, um zu intervenieren, auch er enttäuschte mich. natürlich müsse es regeln geben und die kurse würden gezielt ausgewählt, und, ein sozialdemokratisches standard-argument, “die mitglieder würden nicht verstehen, wenn man einfach jedem einen hunderter gibt.” von den siebenundvierzig englisch-kursen der vhs-brigittenau werden ganze vier gefördert, nicht die einzelnen sollen entscheiden, welchen fortschritt sie machen wollen, sondern die ak-bildungsabteilung. “get your grammer right” wird gefördert, kommunikationskurse keinesfalls.
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derselbe paternalismus, dieselbe implizite verachtung ihrer klientel, die buchinger und matznetter ihren einkaufswagen mit billigem supermarktfleisch füllen lässt, ist auch die triebkraft der ak-bildungsverantwortlichen. fleisch, dass sie selber nie essen würden und kurse, die sie nie besuchen würden, sind recht und billig, um das “volk” zu befrieden, um gleichzeitig die ungleichheit weiter zu verfestigen. ich werd mich wohl um einen anderen englischkurs umsehen, vielleicht hat jemand einen tipp für mich.
