17.May 2012

writers high.

am 9. mai 21.30 finalisierte ich das manuskript zu “ich rannte aus zitronen”. youhou! 45 intensive tage, nur ein nacht nichtschreibend (in dieser nacht entstand bei einer spannenden hörlgasse-salon-runde mit essen und trinken der titel), 292.707 zeichen, das werden ca. 180 seiten. ich bin sehr zufrieden, dass es wieder geglückt ist und nachdem drei freundinnen das manuskript kritisch gelesen haben, werde ich das überarbeitete manuskript wieder dem milena-verlag anbieten. meinem lieblingsverlag, keine frage. über den sommer wird dann locker umgearbeitet, im herbst nochmal in zypern nachrecherchiert, ende oktober das cover und der titel fixiert und im februar oder märz gibts wieder ne fette präsentationsparty im rhiz im rahmen von holgers nil desperandum. und dann wieder auf leseabenteuer mit unserer lesebande, was für ein spaß!  lesungen in leipzig und zürich und in der bibliothek in simmering. alles sehr fein und es kommt alles fast von selbst, meine arbeit ist im wesentlichen getan, am 11. juni wende ich mich mal wieder für zumindest 1 1/2 Jahren meiner lohnarbeit bei der APA zu, keine qual, sondern angenehme abwechslung und herausforderung.

zitronen

 

23.Mar 2012

ernst gemeint.

am 26. märz beginne ich mein nächstes schreibabenteuer, eine im weitersten sinn fortsetzung von “sie sprechen mit jean amery, was kann ich für sie tun”. von september bis dezember 2011 wurden davon 826 stück verkauft, von vielen leserInnen erhielt ich aufmunterndes feedback und ernstgemeintes lob, ein nicht zu unterschätzender faktor, auch was die ausrichtung künftiger arbeiten betrifft. letztendlich ist es auch erstrebenswert, die gläserne wand zwischen schreibenden und lesenden niederzureißen, auch wenn es naiv wäre zu glauben, daß dies jemals ganz gelingen könnte. oft werde ich gefragt, warum ich hier so viele details des rundherum offenlege, wer mir geholfen hat, wie das buch rezipiert wird, wer aller an der entwicklung teilgehabt hat.

ich halte das für eine selbstverständlichkeit für einEn fortschrittliche community. es ist mir völlig unverständlich, dass in österreich über einkommen, verträge, soziale kontakte ein mantel des schweigens herrscht und auch die meisten autorInnen und verlage geben weder auflage noch kontakte, oder gar details über neue projekte preis.

grade rechtzeitig, quasi als letzten notwendigen schubser um wieder die ersten 5000 zeichen eines neuen 300.000 zeichen-romans zu schreiben, hat mir ein flüchtiger bekannter, ein schachfreund, gegen den ich vor jahren mal eine turnierpartie gespielt habe ein feedback gegeben, das nicht nur motivierend war, sondern sogar konkrete handlungsvorschläge gegenen hat. in absprache mit ihm möchte ich es hier exemplarisch für viele andere anonymisiert wiedergeben.

Hallo Kurto Wendt,

auch wenn wir uns nur vom Schach flüchtig aus einer Partie bei einem Auhof Open kennen, erlaube ich mir Dir zu Deinem Roman-Erstling zu gratulieren.

Ich war zunächst eher skeptisch. “Schon wieder so ein Wien-Roman eines Möchtegern-Autors” hab ich mir gedacht, ihn aber vorletzte Woche trotzdem gekauft, schon aus Schachspieler-Solidarität und obwohl fast pleite.

Umso größer war die Überraschung: Von der ersten Seite an interessant und spannend geschrieben, flüssiger, eleganter Schreibstil, authentische Figuren, ein ungewöhnlicher, geschickt konstruierter Plot, verpackt in unaufdringlich gescheite Haltungen. Insgesamt ein Lesevergnügen!

Wollte Dich mit diesem Statement auch ermutigen, falls das überhaupt notwendig ist, weiter zu machen, denn Du hast es m.M. nach drauf.

Mit liebem Gruß

E.D.

P.S.:
Ist nun damit zu rechnen, dass Du Deine “K”s bei Gastspielen in unsere Schachbretter ritzt? In diesem Falle wird zurrrrückkkgerrrritzt!

foto_leo_tolstoj_schach.jpg

 auch leo tolstoi erholte sich zwischen “krieg und frieden” mit so mancher partie schach

 

 

ich hab ihm geantwortet:

  hallo e. !

danke für die duftenden blumen. es freut mich sehr, wenn sich jemand die zeit nimmt und ein feedback zu geben, das dann auch noch positiv ausfällt. ich würde dein mail gerne anonymisiert auf meine homepage geben, ich leg dort nämlich möglichst alles offen, was rund ums schreiben so passiert, um die barriere zwischen schreibenden und lesenden einzureißen. ich glaube , dass viel mehr leute schreiben könnten, und es braucht ermutigung für die die schon geschrieben haben und jene die vielleicht kurz davor sind.

ich bin grad wieder für 3 monate in bildungskarenz und setz mich ab nächste woche hin, um eine nachfolgegeschichte u schreiben, insofern kommt die ermunterung zum richtigen zeitpunkt. wenn ich gut voranschreite und im mai noch kein badewetter ist, spiel ich das tschaturanga-open. vielleicht laufen wir uns ja dort über den weg.

lg
kurto

und er ergänzte dann:

a) Anonyme Veröffentlichung auf deiner hp kein Problem. Nur zu.
b) Mich persönlich hat Dein Buch (und deine sonstige performance) auch angespornt bzw. inspiriert, wieder zu schreiben und mich ganz allgemein und grundsätzlich mehr einzubringen, Motto: Leben und Leisten, alles andere ist sinnlos.

Wünsche Dir und hoffe zuversichtlich, dass Du auf Dein Gesellenstück noch einen drauf setzt. Das Talent dazu hast Du! Mach aus der Gunst der Stunde das Beste, hau jetzt alles rein und raus, was Du zur Verfügung hast, was in Dir drin ist. Je eher desto besser, aber lass Dir auch die Zeit, die Du brauchst dafür.

LG
E.

P.S: Dein Plot ist ja so angelegt, absichtlich oder nicht, dass es viele denkbare Zukunfts-Szenarien gibt: Was machen die “Verschwörer”, wie geht diese Geschichte aus? Wer eigentlich ist Bo und Calla? Wie ergeht es Frank? Kehrt er irgendwann zurück und wenn ja warum? Kommen Magda und Frank doch noch zusammen? Ich sehe tausende Verzweigungen und Fortsetzungen. Der Frank ist der ideale Occupy- oder auch Anonymous-Aktivist. Du könntest ihn als modernen, metrosexuellen und globalen Robin Hood zu einer zeitgemäßen Bestseller-Figur a la Mankells Wallander erschaffen. Um ihn und den Plot authentisch, informativ und lesenswert zu zeichnen brauchst Du aber viel Recherche, Zeit, d.h. auch (Zeit)-Budget. Ich will damit nur sagen: Überlege Dir ernsthaft, ob es der Erstling, die nun mal geschaffene Figur Frank, nicht wert ist, darauf aufzubauen und - jetzt oder nie! - eine große, fette Geschichte rauszuhauen, die ein ganzes Schriftsteller-Leben begründen könnte.

Jetzt ist mir schon klar, dass ich seine Hoffnung, ein kleiner Mankell zu werden nicht erfüllen kann und dies setzt mich auch nicht unter Druck. Aber die Träume sind auch Teil jedes kreativen Schaffens und ich bin (auch) zum Träumen aufgelegt.

26.Feb 2012

woki ösi.

ein eingeklemmter nerv hat mich dazu gebracht mir am computer die österreich-ausscheidung zum songcontest reinzuziehen. der schmerz konnte dadurch allerdings nicht gelindert werden. unglaublich ehrlich, wie österreichs künstlerInnen,  kommentatorInnen und tv-publikum die eigene dumpfheit stolz zur schau tragen. musik aus verschiedenen genres wurde aufgeboten, um den zweikampf zwischen conchita wurst und den trackshittaz zu einer größeren show erscheinen zu lassen. all die sexismen aufzuzählen, die die Sendung geprägt haben wäre zu mühsam, zwei Aspekte finde ich allerdings bemerkenswert: zum einen die integration des travestie-freaks tom neuwirth (conchita wurst) in die showgemeinschaft und der ständige zwang sich davon zu distanzieren. harry reithofer würde sie küssen, “wenn sie sich den bart rasieren würde” (eine glatte lüge, wenn sie mich fragen!), claudia stöckl plaudert, dass sie lieber mit dem authentischen lukas plöchl frühstücken als mit einer kunstfigur. transgender wird als showelement wahrgenommen und akzeptiert, vor allem wenn die figur sich auffällig integrierbar präsentiert.  sehr schön dazu der kommentar von franzobel im standard.

….Wir leben in einer verlogenen Zeit, und Österreich war immer schon ein Land der Wursteln und Durchwurstler. Da passt ein sich Wurst nennender Travestiekünstler mit fiktivem Migrationshintergrund ganz wunderbar, besonders wenn seine Kanten weich wie falsche Brüste sind und er die eigentliche Problematik von Rollenzuweisung, Transgender, Asylbewerbung und Gleichstellung von homosexuellen Paaren nicht einmal streift.

Die Wurst? An der Verwesung verhinderte Leichenteile, in ihre eigenen Kotkanäle gestopft, wie sie der bayrische Barde Fredl Fesl einmal definierte, die Wurst, um die es hier geht, ist kein in den falschen Körper Hineingeborener, kein Hermaphrodit, keiner, der von Ute Bock gerettet worden ist und somit auch kein Beispiel für ein aufgeklärtes, tolerantes und weltoffenes Österreich, eher im Gegenteil. Ein Feigenblatt für die Schamlosigkeit hier urwüchsiger Kleingeistigkeit.

track_apa.jpg

wenn es aber dann wirklich ernst wird, stehen die österreicherInnen letzendlich dann aber nicht für die verlogene toleranz sondern für die offene intoleranz. trackshittaz verkörpern ein pubertäres ländliches männliches ideal. „Wir sind vom Land, wir sind wie Stiere. Der Stier liegt auch nicht einfach nur in der Mitte seines Geheges“, erklärten die beiden Gewinner ihre energiegeladene Bühnenperformance

manuel hoffellner betonte, dass er die im catsuite auftretenden tänzerinnen persönlich gecastet hat, diese durften, wie auch im text vorkommend, viel mit dem arsch wackeln und an der stange tanzen. Das österreichische fernsehpublikum griff zum Handy und zahlte für ein sms-voting so viel wie 7 Minuten Telefonat nach Bhutan kosten, um sicher zu gehen, dass trackshittaz die kulturelle entfaltung ist, die europaweit repräsentiert werden soll.

der vollständigkeithalber hier noch mal der refrain des österreichischen seelenstrips:

Geht scho Woki mit deim Popo,
Woki mit deim (Uuh Uuh)
Woki mit deim Popo,
Yeah Yeah so gfoit ma des,
Geht scho Woki mit deim Popo,
Woki mit deim (Uuh Uuh)
Woki mit deim Popo,
wei wos i wü bist du!

11.Feb 2012

fantas ticker.

in vierzehnter lesung wird frank smutny am einundzwanzigsten februar in der pizzeria fantastica gegeben. kathi, can und ich lesen auf einladung von rassismusfreies transdanubien . es wird vergnüglich und spannend und das wenige tage vor der 1.märz.

interessante empfehlungslisten hab ich auch gebunden. facultas empfielt jean amery als eine von acht büchern. neben roche und streeruwitz. sehr lustig.

facultas club

10.Jan 2012

big point.

kurz vor weihnachten entschied sich orf.at  “sie sprechen mit jean amery, was kann ich für sie tun?” als  “empfehlung für den gabentisch” zu bewerten. die zufällig am vortag verfasste apa-rezension landete auf den bildschirmen der orf-redakteurInnen und die entschieden deswegen das buch aufzunehmen. besten dank an simon hadler, sophia felbermair, peter falkner, peter bauer, armin sattler, sonja ryzienski, gerald heidegger, christian körber, zita bereuter ! und dann in einer reihe mit julia rabinowich, firederike mayröcker, josef haslinger und thomas bernhard. yuhuu!

ob sich solch heldInnentaten auch auf die verbreitung des buchs auswirken ist nicht klar zu eruieren. die einzige ständig wahrnehmbare und mit vorsicht zu geniessende kennzahl ist das amazon-ranking. normalerweise rangiert mein buch dort zwischen platz 30.000 und 300.000. am tag der orf.at-empfehlung kletterte es auf 6.300, quasi ein bestseller!

ich bin schon sehr gespannt auf die lesung mit lisa morgen in der bibliothek in simmering.

lisa-and-me.pdf

http://www.buechereien.wien.at/de/programm/veranstaltungskalender/1263

9.Jan 2012

re levant.

schön ist, wenn man medien kennenlernt, die rezensionen veröfentlichen, ohne dass man je vorher drin gelesen hat, oder jemand dort kennt. bücher entwickeln ihr eigenleben, und “sie sprechen mit jean amery, was kann ich für sie tun” hat beinahe seine pubertät abgeschlossen. das eine ist ein popmagazin names tba, wo erstmals auch eine kleine englischsprachige rezi positioniert ist, das zweite ist das internet-portal relevant, wo eine launige rezension veröffentlicht wurde, die auf eine einschätzung meiner kollegInnen aus der apa-kulturredaktion beruht.

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APA0202 5 KI 0374                                     Mi, 14.Dez 2011

Literatur/Neuerscheinung/Österreich/Rezension

Sex, Crime und Call-Center: Debüt-Roman von Kurto Wendt

Utl.: Ehemaliger Donnerstagsdemo-Aktivist legt mit “Sie sprechen mit
Jean Amery, was kann ich für Sie tun?” einen unterhaltsamen
Erstling vor (Von Wolfgang Huber-Lang/APA) =

Wien (APA) - Kurto Wendt? War das nicht einer der umtriebigsten und ausdauerndsten Organisatoren der Donnerstagsdemonstrationen gegen Schwarz-Blau? Jean Amery? War das nicht ein österreichischer Widerstandskämpfer und Schriftsteller, der sich in seinem Werk u.a. für das Recht des Menschen auf Freitod einsetzte und dieses schließlich auch selbst für sich in Anspruch nahm? Und was haben die beiden miteinander zu tun? “Sie sprechen mit Jean Amery, was kann ich für Sie tun?”, heißt der Debütroman von Kurt Wendt, der kürzlich im Milena Verlag erschienen ist.

Der echte Jean Amery kommt in dem Buch allerdings nicht vor. Als Jean Amery meldet sich der Lebenskünstler und Langzeitarbeitslose Frank Smutny, wenn er im Call-Center von T-Mobile Anrufe entgegennimmt. Das macht er jedoch nur gezwungenermaßen, weil ihm das Arbeitsmarktservice die Unterstützung streichen würde, wenn er nicht an einem neuen Programm teilnähme: Das AMS zahlt sechs Probewochen beim Telekom-Unternehmen, die Besten erhalten danach einen Angestelltenvertrag.

Geregelte Arbeit ist zwar so ziemlich das Letzte, wonach Frank der Sinn stehen würde, doch so sehr er sich auch anstrengt - er ist drauf und dran, in der Telekommunikationsbranche Karriere zu machen. Denn Frank ist intelligent, flexibel, kann hartnäckig oder charmant sein, wahlweise auch beides zugleich. Das bekommen auch zwei mysteriöse neue Bekannte mit, die Franks Leben immer aufregender gestalten: eine seltsame Anruferin, die ihn immer wieder aushorcht und ihm seltsame Aufträge erteilt, und ein englischsprachiger, attraktiver Fremder, der ihm auf abendlichen Touren durch Wiener Szenelokale über den Weg läuft.

Aus dem Gegensatz zwischen ödem Berufsalltag und prickelnder Sex-and-Crime-Story macht der 1965 in Neufelden (Oberösterreich) geborene Autor eine flotte Geschichte, die weder literarischen Anspruch erhebt, noch aufklärerischen Sozialrealismus betreibt. Wie im Märchen verselbstständigen sich Fantasien und stellen einen Durchschnittstypen plötzlich vor abenteuerliche Herausforderungen, denen er sich kaum gewappnet fühlt. Anderswo macht man aus so etwas einen Hollywood-Film. Kurto Wendt hat daraus einen unterhaltsamen Debütroman gemacht. Durchaus nicht der schlechteste Zeitvertreib. Für ihn und für seine Leser.

(S E R V I C E - Kurto Wendt: “Sie sprechen mit Jean Amery, was kann ich für Sie tun?”, Roman, Milena Verlag, 152 S., 16,90 Euro, ISBN 978-3-85286-212-5)
(Schluss) whl/dae

APA0202    2011-12-14/11:35

141135 Dez 11

fotos von der lesebande am volksstimmefest (4.9. 2011)

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8.Jan 2012

hört augustin.

karl weidinger holte mich vors mikrofon und führte mit mir ein spannendes interview für radio augustin auf radio orange. die komplette sendung ist hier zu hören, die printversion erschien neben einer rezension in der  augustin-nummer 310. danke karl!

8.Jan 2012

niko laus.

früh schon hab ich gelernt, nicht alles kommentieren zu können, weil a) es kaum wen interessiert, b) die zeit dazu fehlt und c) die wichtigkeit überschätzt wird. manchmal mach ich es trotzdem, weil ein paar sätze gut tun, eine art stretching des geistes. das elfte mal versuche ich mich nun an einem kommentar der anderen, zehn mal gab es nicht mal ein “leider nicht”. ich will nicht wehleidig sein, der standard hat auch nie behauptet, die meinung der “ganz anderen” abzudrucken, vor allem dann, wenn bernhard heinzlmaier, jugendforscher, bereits das andere repräsentiert.

es wäre ja auch noch erträglich gewesen, wenn heinzlmaier vom spö-think-tank beauftragt worden wäre als experte die vorzüge von niko pelinka zu preisen und der standard ihm als “anderen” dafür auch raum geschenkt hätte. er hätte ja auch aus seinen vorträgen zitieren können, wo er offen formuliert, “erfolgreich sind die, die sich unterwerfen”. ich hätte es überblättert, mit einem mitleidigen lächeln auf den lippen, mitleid mit bernhard, alexander, nikolaus und oskar. heinzlmaier schrieb aber kein wort über pelinka, sein auftrag war, die kritikerInnen abzuwerten. es wäre die angst der alten vor den jungen, er bemühte fpö-diktion (staatskünstler) und den antikommunismus, um elfriede jelinek anzugreifen.

jelinek schrieb über die rudas/pelinka-typen, dass sie “omas und opas sind, bevor sie erwachsen werden” und heinzlmaier ist der passende experte dazu. ein jahr nachdem alexander wrabetz als bundesvorsitzender des vsstö zurückgetreten war bekleidete bernhard heinzlmaier diese funktion. er war damals hauptsächlich dadurch aufgefallen, dass er die övp-nahe öh-spitze dafür heftig kritisiert hat, dass sie die busse bezahlte, damit studierende gratis zur besetzung der hainburger au fahren konnten.

war es wrabetz, der angerufen hat? oder rudas? vielleicht pelinka selber? und wer rief oskar bronner an, um ihm zu erklären, dass dies eine meinung eines “anderen” sei. einerlei.

heinzlmaier.jpg

Kommentar der anderen

Heinzelmännchen
Jetzt wurde also der unabhängige Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier ausgewählt, eine Hasardargumentation zur Verteidigung der Besetzungsposse von Niko Pelinka zu lancieren. Heinzelmaier, der übrigens nur ein Jahr nachdem Alexander Wrabetz den Bundesvorsitz des VSSTÖ abgegeben hat, diese Position übernahm, versucht gar nicht erst die Vorwürfe der KritikerInnen zu widerlegen, sondern greift diese frontal an. Peter Weibel und Elfriede Jelinek wären Staatskünstler (eine eindeutige und nicht zufällig gewählte FPÖ-Diktion) und zweitere obendrein Ex-KPÖ-Mitglied. Und alt wären sie alle, viel zu alt. Eine Angst der Alten vor den jungen Aufsteigern.
Über Sebastian Kurz meinte der Jugendforscher Heinzelmaier am 20.April in den Salzburger Nachrichten: „Er ist fürchterlich uncharismatisch, kommt überheblich und borniert rüber. Kurz ist der Typus des mit dem goldenen Löffel im Mund aufgewachsenen Hietzingers“. Keine schlechte Einschätzung führwahr, aber abgesehen davon, dass Niko Pelinka nicht in Hietzing seine Jugend verbrachte, unterscheiden sich die beiden wohl nur in Nuancen. Sie sind „Omas und Opas noch bevor sie erwachsen sind“, beschreibt Jelinek den Rudas/Pelinka-Typus, und genau davor brauchen die alten Patriarchen keine Angst zu haben. Hier irrt Heinzelmaier absichtlich, weil er eben auch zum erweiterten Kreis von His Masters Voice gehört.
Die soziale Herkunft bestimmt in Österreich stärker als in anderen Ländern die soziale Zukunft. Die Niko Kowalls und Barbara Blahas repräsentieren politisch wohl eher die Bedürfnisse und Einschätzungen einer sozialdemokratischen Jugend, der Karriereturbo wird aber für andere gezündet.
Es wäre ja gar nichts dagegen einzuwenden, dass der ORF-Generaldirektor sich einen Mann seines Vertrauens als Privatsekretär in sein Vorzimmer sitzt – einen Superpraktikanten mit erweiterten Portefeuille – aber warum ausgerechnet den, der im August öffentlich meinte, er wolle das sicher nicht, und warum zu einer Gage, deretwegen man andere ORF-Mitarbeiter in Pension schickt, weil sie zu teuer sind. Wer heute als freie MitarbeiterIn in Ö1 einen Vierminuten-Beitrag konzipiert, Interviews dazu führt und  ihn noch selbst schneidet bekommt dafür genau 90 Euro brutto, das regt auf! Und nicht nur diejenigen, die selbst dieser Freelancer-Generation angehören.

Kurto Wendt ist Autor und Lektor eines Medienbeobachtungsunternehmens

29.Oct 2011

dschungel like.

 

Jetzt gibts auch die erste rezension in einer in deutschland erscheinenden zeitung. die jungleworld likes frank smutny und seine wiener welt. danke schön, jessica zeller.

Herr Smutny

Platte Buch von Jessica Zeller

Als Frank Smutny in der Wiener Buchhandlung, in der er seine Ausbildung macht, die Erzählung »Bartleby, der Schreiber« in die Hände fällt, entschließt er sich, fortan nur noch das zu tun, was Melvilles Antiheld macht, nämlich nichts. Smutny, der gerade ausgelernt hat, arbeitet nicht mehr und hängt allein in seiner Wohnung rum. Er ist glücklich oder wenigstens nicht unglücklich. Will er allerdings nicht wie sein Vorbild den Hungertod sterben, muss er wieder was tun. Der österreichische Arbeitsmarktservice zwingt ihn zu einer mehrmonatigen Maßnahme im Callcenter eines Mobilfunkanbieters. Am Telefon meldet er sich stets mit den Worten »Sie sprechen mit Jean Améry, was kann ich für Sie tun?«

Schlicht, amüsant und reflektiert, aber niemals belehrend, erzählt der Wiener Politaktivist Kurto Wendt in seinem Romandebüt von den Abgründen der postmodernen Arbeitswelt. Smutny findet Freunde und Verbündete, rebelliert und kooperiert und ist wie sein Berliner Pendant Herr Lehmann ein Getriebener der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Doch irgendwann muss er Position beziehen. Gegenüber seiner Chefin Doc Schneider, die ihn am liebsten dauerhaft in der Firma halten möchte. Gegenüber Calla, die ihn täglich anonym kontaktiert und ihm ein folgenreiches politisches Bekenntnis abverlangt. Am »Tag der Entscheidungen« beschließt Frank, »ganz passiv zu sein«. Und ­findet doch einen eleganten Seitenweg, es ­keiner der beiden Frauen recht zu machen.

21.Oct 2011

rep lik.

die lesung im republikanischen club am 18.10. war xtrem fein und fühlte sich gut an. dank an sibylle summer und alexander emanuely, die das ganze organisiert und moderiert haben, danke an laura soroldoni und can gülcü, die mit mir gelesen haben und danke an karl weidinger, der die untenstehenden fotos gemacht hat.

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